Mittwoch, 4. August 2010

Das Erdölleck im Golf von Mexiko

Die Explosion der von BP betriebenen Erdölbohranlage Deepwater Horizon am 20. April dieses Jahres war ein schrecklicher Arbeitsunfall, bei dem 11 Arbeiter ums Leben kamen. Das nach dem Unglück unkontrolliert aus dem Bohrloch ausströmende Erdöl hat im Golf von Mexiko einige Umweltschäden angerichtet. Glücklicherweise sind diese aber erheblich geringer, als von Politikern und Mainstreamjournalisten behauptet.

Präsident Obama nannte den Erdölaustritt "the worst environmental disaster America has ever faced". Die Massenmedien sprechen vom "Disaster in the Gulf" und für die grünen Verbände ist sowieso das Ende nahe. Die Realität in der betroffenen Region sieht aber anders aus.

Es ist jetzt, drei Monate nach dem Vorfall, noch nicht möglich, seine Langzeitfolgen einzuschätzen, aber es ist bereits absolut klar, dass die von den Machthabern angekündigte Katastrophe ausgeblieben ist. Sehen wir uns die Schäden im einzelnen etwas näher an:


  • Die Anzahl der bis jetzt gefundenen toten Vögel beträgt weniger als 1% dessen, was nach dem Untergang des Erdöltankers Exxon Valdez vor der Küste von Alaska im Jahre 1989 an Opfern in der Vogelwelt zu beklagen war. Man hat im Golf 3.000 tote Vögel vorgefunden, weniger als die Hälfte davon war sichtbar ölverschmiert. Demgegenüber kostete der Untergang der Valdez 435.000 Vögeln das Leben.

  • Es gab Horrorgeschichten über verölte Delphine, aber bis jetzt haben die staatlichen wildlife-response teams nur die Überreste von 3 Meeressäugetieren angetroffen, die sichtbar Spuren von Erdöl zeigten. Man fand 492 tote Meeresschildkröten, aber nur 17 von ihnen waren sichtbar verölt.

  • Der Fisch- und Krabbenfang wurde von der Regierung in weiten Teilen des Golfes verboten, aber bis jetzt ist kein Erdöl in diesen Beständen nachweisbar. Sogar die alarmistischen Behörden der Regierung Obama sehen sich nunmehr gezwungen, zumindest einen Teil der von ihnen auferlegten Beschränkungen wieder zurückzunehmen, siehe: NOAA Reopens One-Third of Closed Gulf Fishing Area, wo festgestellt wird, dass "No oil has been observed for 30 days in 26,388 square miles to be re-opened for fishing".

  • Die tiefliegenden Marschgebiete an der Küste von Louisiana sind nicht wie angekündigt vom Erdöl überzogen worden, sondern bis jetzt fanden die staatlich eingesetzten Bewertungsteams dort nur 142 Hektar, die verölt sind. Das ist sicher ein ärgerlicher Schaden, aber er ist gering im Vergleich zu den 6.000 Hektar Küstenmarschen, die Louisiana jährlich an das Meer verliert, weil der Mississippi seit seiner vollständigen Regulierung nur noch wenige Sedimente in seinem Delta absetzt. In den letzten hundert Jahren hat dieser Bundesstaat insgesamt 5.000 Quadratkilometer Marschland an die See abgeben müssen.



In einer Stellungnahme für das TIME Magazine sagte Ivor van Heerden, ein ehemaliger Professor für Meereswissenschaften der Louisiana State University: "There's just no data to suggest this is an environmental disaster. I have no interest in making BP look good ... but we're not seeing catastrophic impacts ... There's a lot of hype, but no evidence to justify it."

Die Gründe dafür hätte jedermann von Anbeginn an wissen können:


  1. Das Deepwater Erdöl ist leicht und biologisch gut abbaubar. Deshalb lösten sich die Ölflecken im Golf schnell auf.

  2. Das Wasser im Golf von Mexiko ist so warm, dass dort ölabbauende Bakterien sehr gut gedeihen können.

  3. Die großen Wassermengen, die der Mississippi in den Golf transportiert, haben das Öl größtenteils von der Küste ferngehalten.

  4. Die Natur ist widerstandsfähiger, als die grünen Propagandisten behaupten. So wächst in den von Öl verunreinigten Marschgebieten neues Gras der Gattung Spartina und man kann dort Mangroven sehen, die neue Blätter austreiben, welche von Erdöl schwarz sind.



Der Deepwater Horizon Unfall zeigt wieder einmal das Wesen der Umweltpolitik: übertreiben und Ängste schüren bis zur Hysterie, um diese Emotionen dann als Waffe gegen den Kapitalismus zu verwenden. Präsident Obama hat nach der Explosion der Bohrinsel ein sechsmonatiges Verbot der Tiefwasserförderung von Erdöl verfügt. Nach einer Untersuchung des Institute for Energy Research verursacht dieses Verbot den Verlust von 12.000 Arbeitsplätzen sowie von 2,1 Milliarden Dollar Umsatz in der Erdölwirtschaft und bei ihren Zulieferern. Dazu kommen die Kosten unnötiger Verbote für die Fischerei, der durch die Panikmache hervorgerufene Rückgang im Tourismus und sinnlose Ausgaben für aktionistische Schutzmaßnahmen, die sich als überflüssig herausgestellt haben. So hat z. B. die Regierung von Louisiana 350 Millionen Dollar für Ölsperren auf See ausgegeben, die niemals benötigt wurden. Insgesamt hat die Reaktion der Politiker auf dieses Unglück mehr Schaden angerichtet, als dieses selbst.

Dienstag, 20. Juli 2010

Regierungsversagen am Beispiel von Asbest

Asbest kommt in der Natur so häufig vor, dass jeder von uns täglich circa 14.000 Fasern dieses Minerals aus der normalen Umgebungsluft einatmet ('Asbestos and other natural mineral fibres', Environmental Health Criteria, 53, WHO, Genf, 1986). Trotzdem werden wir davon nicht krank, denn es hängt vom Typ, der Größe und Menge der Asbestfasern ab, ob sie in der menschlichen Lunge eine pathogene Reaktion auslösen.

Der Oberbegriff Asbest umfasst zwei sehr verschiedene Arten von Mineralien, die ganz unterschiedliche Eigenschaften und Gefährdungspotentiale haben. Wirklich gesundheitsschädlich sind die Amphibole, von denen seit längerer Zeit bekannt ist, dass sie Lungenkrankheiten wie Asbestose oder Lungenkrebs auslösen können. Zur Amphibolgruppe gehören:

  • Crocidolit (Riebeckit): Wurde zum ersten mal 1815 von M. H. Klaproth unter dem Namen Blaueisenstein beschrieben, auch als blauer Asbest bekannt. Er ist wegen seiner leichten Zerreibbarkeit zu kleinsten, starren und säureresistenten Fasern der gefährlichste Asbest. Seine Hauptverwendung war in Reibungsbelägen zusammen mit Elastomeren.

  • Grunerit: In kommerziellen Verwendungen nach seinem Hauptanbieter, den Asbestos Mines Of South Africa (AMOSA), unter dem Namen Amosit bekannt, umgangssprachlich als brauner Asbest bezeichnet. Amosit ist die zweitgefährlichste Asbestart. Wurde zur Isolierung von Energiespeichern und in Produkten für das Baugewerbe genutzt.

  • Aktinolith, Anthophyllit, Tremolit: Etwas weniger gefährlich als die obigen Asbestarten, aber durchaus noch gesundheitsschädlich. Ihre wirtschaftliche Bedeutung blieb gering.


Aus historischen Gründen wird der Gattungsbegriff Asbest auch für ein Mineral genutzt, das mit der Amphibolgruppe nur sehr wenig gemeinsam hat. Es handelt sich um Chrysotil, auch weißer Asbest oder Serpentinasbest genannt. Er hat mit den Asbestarten der Amphibolgruppe einige physikalische Eigenschaften gemeinsam, unterscheidet sich aber in vielerlei Hinsicht von ihnen. Die Chrysotilfasern sind weich, seidenartig, gekrümmt und durch Säure leicht zu zerstören. Sogar in der nur schwach sauren menschlichen Lunge werden diese Fasern schnell aufgelöst, sodass sie dort nur eine Halbwertzeit von wenigen Tagen haben. Eine Gesundheitsgefährdung durch sie ist möglich, wenn man in der Asbestindustrie über längere Zeit sehr großen Mengen von langen Chrysotilfasern ausgesetzt ist, aber für den Endverbraucher sind kurze Fasern des weißen Asbestes nicht gefährlich.

Chrysotil wurde für hitzebeständige Materialien, wie Schutzkleidungen, Elektroisolierungen, Dichtungen und Seile verwendet. Seine häufigste Anwendung bestand darin, als Bindemittel in Zement und Mörtel zu dienen. Wenn Chrysotil mit kalkreichem Zement gemischt wird, findet auf der Oberfläche der Fasern eine chemische Veränderung statt, die bewirkt, dass sich die Zementmasse eng an die Fasern bindet. In derartigen Werkstoffen sind die Fasern des weißen Asbestes so stark gebunden, dass sie in einatembarer Form auch dann kaum freigesetzt werden können, wenn entsprechende Bauteile gesägt oder angebohrt werden.

Circa 90% aller jemals hergestellten Asbestprodukte sind Chrysotil-Baumaterialien, die kein messbares Risiko für die menschliche Gesundheit darstellen. Trotzdem kam es zu einer Asbestpsychose, in der alle Asbestarten verteufelt wurden. So ist gemäß EU-Verordnung Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung) auch das Inverkehrbringen und die Verwendung von Chrysotil verboten. Wie es dazu kommen konnte ist ein Lehrstück für die Art, wie in der westlichen Welt mit der Schürung menschlicher Ängste Politik gemacht wird.

Die Gesundheitsgefährdung durch Amphibolasbest wurde zuerst in England erkannt, wo eine große Asbestindustrie bestand. Erste Hinweise auf asbestbedingte Lungenerkrankungen durch eine Fabrikinspektorin (Lucy Deane: 'Report on the health of workers in asbestos and other dusty trades', Annual Report for 1898, HM Chief Inspector of Factories and Workshops) und einen Arzt des Charing Cross Hospitals (Montague Murray: Minutes of Evidence, HM Departmental Committee on Compensation for Industrial Diseases, 1907, p. 127) wurden noch weitgehend ignoriert aber immerhin begann man in den Asbestunternehmen Maßnahmen zu ergreifen, um die Staubbelastung zu reduzieren.

In den 1920er Jahren erregte der Tod der Asbestarbeiterin Nellie Kershaw Aufsehen. Der Leichenbeschauer ordnete eine mikroskopische Untersuchung ihrer Lungen an, die von dem Pathologen William Crookes durchgeführt wurde (W.E.Crookes: 'Fibrosis of the lungs due to the inhalation of asbestos dust', British Medical Journal, 1924, 147). Crookes stellte fest, dass die Lungen des Opfers durch Asbestfasern stark versteift und vernarbt waren. Er gab diesem Krankheitsbild den Namen Lungen-Asbestose und war damit der erste, der einen wissenschaftlichen Nachweis über die Gefährlichkeit der Amphibole erbrachte.

Die Veröffentlichung der Arbeit von Crookes veranlasste die Fabrikinspektoren E.R.A. Merewether und C.W. Price ihrerseits eine Untersuchung durchzuführen. Sie fanden heraus, dass ein Viertel aller von ihnen untersuchten Asbestarbeiter an Asbestose litt. Niemand, der weniger als vier Jahre in der Asbestindustrie beschäftigt war, zeigte Anzeichen dieser Krankheit, aber unter den Arbeitern, die 25 Jahre oder mehr beruflich mit Asbest zu tun hatten, waren zwei Drittel lungenkrank. Diese Untersuchung führte dazu, dass im Jahre 1931 Großbritannien als erster Staat der Welt Sicherheitsbestimmungen für die asbestverarbeitenden Betriebe anordnete.

Das größte englische Unternehmen dieser Art war Turner & Newall in Rochdale. Im Jahre 1953 war die Unternehmensleitung überzeugt, dass sie das "Staubproblem" gelöst hatte und sie entschied sich, eine Studie über den Gesundheitszustand ihrer Fabrikarbeiter in Auftrag zu geben. Man wählte dafür den Epidemiologen Richard Doll aus, der allgemein bekannt geworden war, weil er in einer früheren Arbeit nachweisen konnte, dass es einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs gibt.

Doll untersuchte 113 Beschäftigte von Turner & Newall, die 20 Jahre oder mehr mit Asbest gearbeitet hatten. 11 von ihnen litten nicht nur an Asbestose, sondern hatten auch Lungenkrebs. Diese Krebsrate war elfmal höher als diejenige der Gesamtbevölkerung. Die Unternehmensleitung, welche die Studie bezahlte, zeigte sich über dieses Ergebnis nicht erfreut und wollte deshalb die Forschungsresultate nicht veröffentlichen. Das konnte aber Doll nicht daran hindern, seine Untersuchung in einem unabhängigen Medium zu publizieren (Richard Doll: 'Mortality from lung cancer in asbestos workers', British Journal of Independent Medicine, 12 (1955), 81-86).

Im Jahre 1960 lieferte der südafrikanische Pathologe Christopher Wagner den Beweis für die Schädlichkeit eines weiteren Amphibolasbests. Wagner war aufgefallen, dass im Einzugsbereich der Bergwerke, die blauen Asbest abbauten, die sonst seltene Krebsart Mesothelioma gehäuft vorkam. Im Unterschied zum Lungenkrebs, der das Innere des Organs befällt, bilden sich bei dieser Krankheit Tumore an der Außenseite der Lungen und in der Bauchhöhle. Bei der Untersuchung von 47 Fällen von Mesothelioma stellte Wagner fest, dass 45 der Betroffenen über längere Zeit in den Bergwerken der Cape Province dem Amphibolasbest Crocidolit ausgesetzt gewesen waren (J.C. Wagner, et al.: 'Diffuse pleural mesothelioma and asbestos exposure in the North Western Cape Province', British Journal of Industrial Medicine, Vol. 17 (1960), 260-271).

Damit waren die drei Krankheiten (Asbestose, Lungenkrebs, Mesothelioma), die durch Asbest hervorgerufen werden, in der Wissenschaft eindeutig identifiziert.

Die obigen Pionierarbeiten lösten eine Welle von weiteren Studien über die Wirkung von Asbest aus. Dabei kann man, genau so wie in der heutigen Klimaforschung, zwischen Alarmisten und Realisten unterscheiden. Zu den ersteren gehören zum Beispiel Muriel Newhouse, die die Akten eines Krankenhauses im östlichen London auswertete, wo Arbeiter behandelt worden waren, die mit blauem Asbest zu tun hatten (M. Newhouse und H. Thompson: 'Mesothelioma of pleura and peritoneum following exposure to asbestos in the London area', British Journal of Industrial Medicine, 1965) und Irving Selikoff vom Mount Sinai Medical Center in New York, der sich mit den Auswirkungen des braunen Asbests befasste und dabei zu sehr pessimistischen Annahmen über die Spätfolgen einer Asbestbelastung kam (I.J. Selikoff, et al.: 'The occurrence of asbestosis among insulation workers in the United States', Annals of the New York Academy of Science, 132, 1965, 139-155).

Als Realist in der Asbestwirkungsforschung erwies sich John McDonald von der McGill Universität in Kanada, der sich mit den Arbeitern in der kanadischen Chrysotilindustrie befasste. Im Jahre 1971 veröffentlichte er ein erstes Zwischenergebnis seiner Studien (J.C. McDonald, et al.: 'Mortality in the chrysotile asbestos mines and mills of Quebec', Archives of Environmental Health, 22, 1971, 677-686). McDonald erfasste die gesundheitliche Entwicklung von 9.981 Männern, die in der Zeit von 1891 bis 1920 in ihren Unternehmen mit weißen Asbest zu tun hatten. Bis zum November 1966 waren 2.413 aus dieser Gruppe gestorben, aber nur 97 davon an Lungenkrebs (4%) und 3 (0,1%) an Mesothelioma.

Die Alarmisten waren über dieses Ergebnis empört und man warf McDonald vor, von der Asbestindustrie bestochen zu sein, da ein Teil seiner Forschung von der Qeubec Asbestos Mining Association finanziert worden war. Zu dieser Art von Verleumdung greifen Linke gerne, wenn ihnen sachliche Argumente fehlen. In diesem Forschungszweig hatte gerade Richard Doll mit seiner von Turner & Newall bezahlten Studie bewiesen, dass der Geldgeber keineswegs zwangsläufig die Forschungsergebnisse bestimmt. Doll war auch nie der Vorwurf der Käuflichkeit gemacht worden. Diese Keule wird nur hervorgeholt, wenn die Position eines Wissenschaftlers politisch unerwünscht ist.

In den Arbeiten der Alarmisten wurden zunehmend Fehler entdeckt. So wies zum Beispiel Professor F.M.K. Liddell vom Department of Epidemiology and Biostatistics der McGill Universität nach, dass Selikoff eine viel zu geringe Asbestfasermenge in der Atemluft von Isolierungsarbeitern angenommen hatte. Selikoff hatte behauptet, dass das Durchschnittsniveau bei 4 bis 12 Fasern je Milliliter liege. Tatsächlich gehören aber Isolierungsarbeiten zu den staubigsten Tätigkeiten und die wirkliche Belastung liegt bei mindestens 50 Fasern je Milliliter Luft (F.M.K. Liddell: 'Magic, menace, myth and malice', Annuals of Occupational Hygiene, 41, 1997).

Die Auseinandersetzungen in der Wissenschaft führten bald dazu, dass die Medien sich des Themas annahmen. Fast alle Journalisten schlugen sich auf die Seite der Alarmisten und schufen so die Voraussetzungen für eine wirkungsvolle Angstkampagne mit Massenwirkung. Damit waren die Bedingungen gegeben, um die Angelegenheit für Politiker interessant zu machen.

Im September 1978 erschien eine Stellungnahme von zwei führenden Gesundheitsbehörden der USA, dem National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS) und dem National Cancer Institute (NCI) ('Estimates of the Fraction of Cancer Incidence in the United States Attributable to Occupational Factors'), die offenbar Teil einer sorgfältig geplanten politischen Initiative war, denn am Tage ihrer Veröffentlichung wiederholte der damalige US Secretary of Health, Education and Welfare, Joseph Califano, vor einer Gewerkschaftsversammlung die Behauptungen der beiden staatlichen Institute. Denen zufolge könnten in den kommenden Jahrzehnten 38% aller Krebserkrankungen auf krebserregende Stoffe zurückzuführen sein, mit denen die Opfer während ihres Berufslebens in Berührung kamen. Diese Schätzung lag weit jenseits aller bisher angenommenen Werte. Die britische Royal Society ging zum Beispiel davon aus, dass 1% der Krebsfälle berufsbedingt seien. Noch extremer war die Prognose der US-Behörden in Bezug auf Asbest, der für "über 2 Millionen vorzeitige Krebssterbefälle in den nächsten drei Jahrzehnten" verantwortlich gemacht wurde. Das seien 17% aller Krebstoten in den USA zwischen 1978 und 2008, was im Durchschnitt 66.000 Asbesttote pro Jahr bedeuten würde.

Obwohl dieses Papier von der US-Regierung groß herausgestellt wurde und weltweit Schlagzeilen machte, war es ein sehr seltsames Schriftstück. Es war nicht klar, welche Personen es geschrieben hatten. Offensichtlich wollte kein Wissenschaftler seinen Namen damit in Verbindung bringen. Es war auch nicht durch den Überprüfungsprozess gegangen, der für wissenschaftliche Arbeiten üblich ist. Vor allem enthielt es keine neuen Beweise für seine verblüffenden Behauptungen.

Von den allermeisten Wissenschaftlern wurde diese Panikmache der US-Regierung abgelehnt. Sogar viele der bisherigen Alarmisten gingen auf Distanz zu diesem politischen Vorstoß. E.C. Hammond, eine Kollege von Selikoff am Mount Sinai Medical Center, zeigte sich "slightly puzzled". Andere bezeichneten das Regierungspapier als "manifestly silly", "stupid" und einen Skandal. Richard Doll nannte es "scientific nonsense" und Califanos Rede "absurd".

Im Jahre 1981 veröffentlichten Doll und Richard Peto von der Universität Oxford eine detaillierte Kritik des Papiers der US-Regierung (R. Doll and R. Peto: 'Avoidable risks of cancer in the United States', Journal of the National Cancer Institute, 66, 1981). Sie stellten fest, die Einschätzungen und Prognosen der US-Behörden "were so grossly in error that no arguments based even loosly on them should be taken seriously". Der Hauptfehler des Regierungspapiers war, die Risiken einer kleinen Beschäftigtengruppe auf alle Arbeitnehmer übertragen zu haben. Doll und Peto stellten fest: "This disregard of both dose and duration of exposure is indefensible". Das US-Papier "should not be treated as a serious contribution to scientific thougt", vielmehr sei es "for political rather than scientific purposes" geschrieben worden und es sei zu befürchten, dass es in diesem Sinne auch in Zukunft genutzt werden würde, nicht zuletzt von den Medien.

Doll und Peto sollten mit ihrer Vermutung Recht behalten. Das diskreditierte Papier der US-Regierung wurde in den kommenden Jahren von zahllosen Journalisten zustimmend zitiert und es war ein Bezugspunkt für die erstarkende Antiasbestlobby, die unter dem Motto "Schon eine Faser kann töten" das Verbot aller Asbestarten anstrebte.

Während die politische Asbesthysterie ständig zunahm, setzte in der Wissenschaft ein Differenzierungsprozess ein. Richard Doll war in seiner bahnbrechenden Arbeit aus dem Jahre 1955 noch davon ausgegangen, dass die von ihm untersuchten Arbeiter von Turner & Newall ausschließlich mit Chrysotilfasern zu tun gehabt hatten. Als in den späten 1970er Jahren Julian Peto, der jüngere Bruder von Richard Peto, eine weitere Studie an den Beschäftigten dieser Fabrik vornahm, fand er unter ihnen mehrere Fälle von Mesothelioma (Julian Peto: 'The incidence of pleural mesotheliomas in chrysotile asbestos workers', in J.C.Wagner (ed.): Biological effects of mineral fibres, International Agency for Research into Cancer, Scientific Publications No. 30, 1980).

Dieser Befund erregte viel Aufsehen, denn bis dahin stand der weiße Asbest nicht im Verdacht, diese Krankheit zu verursachen. Christopher Wagner, der als erster Mesothelioma mit blauem Asbest in Verbindung gebracht hatte, beschloss der Sache auf den Grund zu gehen. Er war in der Lage vollen Nutzen aus der Weiterentwicklung der Elektronenmikroskopie zu ziehen, die Doll 30 Jahre vorher noch nicht zur Verfügung gestanden hatte. Bei der Untersuchung des Lungengewebes von 103 Männern und Frauen, die bei Turner & Newall gearbeitet hatten, stellte er zu seinem Erstaunen erhebliche Mengen an Crocidolitfasern fest, die 300mal höher als der britische Durchschnitt waren. Es stellte sich heraus, dass Turner & Newall zwischen 1931 und 1970 jährlich 60 Tonnen Crocidolit, den blauen Asbest, verarbeitet hatten. Damit war die Annahme von Doll widerlegt, dass die von ihm 1955 festgestellten Fälle von Lungenkrebs ausschließlich auf Chrysotil zurückzuführen seien (J.C. Wagner, et al.: 'Mesotheliomas and asbestos type in asbestos textile workers', BMJ, 285, 1982).

Die Untersuchung von Wagner veranlasste Julian Peto, nun seinerseits eine gründliche Studie durchzuführen. Mit Unterstützung von Richard Doll untersuchte er 3.639 Arbeiter von Turner & Newall und kam zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer Chrysotilbelastung weitaus geringer ist, als er ursprünglich angenommen hatte (Julian Peto und Richard Doll, et al.: 'Relationship of mortality to measures of environmental asbestos pollution in an asbestos textile factory', Annals of Occupational Hygiene, 29, 1985, 305-355).

Ein weiterer Mangel in der Pionierarbeit von Doll aus dem Jahre 1955 bestand darin, dass er den Einfluss des Rauchens auf die Entstehung von Lungenkrebs völlig außer Acht gelassen hatte. Es ist sogar anzunehmen, dass Asbest und Tabak sich gegenseitig in ihrer gesundheitsschädlichen Wirkung verstärken. Hammond hatte 1979 unter Mitwirkung von Selikoff angenommen, dass Asbest allein das Krebsrisiko verfünffacht, dass das Rauchen dieses Risiko verzehnfacht, die Kombination der beiden Faktoren aber die Krebsgefahr verfünfzigfacht (E.C. Hammond, et al.: 'Asbestos exposure, cigarette smoking and death rates', Annals of the New York Academy of Sciences, 473-490). Unter diesen Umständen ist es seltsam, dass Richard Doll in seiner Studie nicht zwischen Rauchern und Nichtrauchern unterschieden hatte.

Peto und Doll verfassten für die britische Health and Safety Commission einen umfassenden Überblick über 'Effects on health of exposure to asbestos' (HMSO, 1985), der auch heute noch gültig ist. In der Hierarchie der Risiken kommen ganz oben die verschiedenen Arten von Amphibolasbest, angeführt vom blauen und dann dem braunen Asbest. Ganz unten befindet sich das Risiko, das die große Mehrheit der Normalbürger durch Asbestprodukte in ihrem täglichen Leben erfährt. Falls ein Fünftel der Bevölkerung in ihren Gebäuden 20 Jahre lang Asbest in Baustoffen ausgesetzt wäre, würde dies kaum mehr als "one death a year" im gesamten Land verursachen. Insgesamt ist das Risiko für die Endverbraucher so nahe bei Null, dass es "negligible" sei.

Trotz dieser eindeutigen wissenschaftlichen Beweislage verfügte die Environmental Protection Agency (EPA) der USA im Juli 1989 ein vollständiges Verbot von Asbest. Tatsächlich betraf dieser Bann fast ausschließlich weißen Asbest, denn der Import von blauem und braunem Asbest war schon lange vorher eingestellt worden. Der wirtschaftliche Schaden dieser Entscheidung beträgt mehrere hundert Milliarden Dollar, während ihr Nutzen für die menschliche Gesundheit nicht nachweisbar ist, denn die Nutzung der gefährlichen Asbestarten war von der Wirtschaft bereits lange vorher aus eigener Entscheidung eingestellt worden und für den beruflichen Umgang mit Chrysotilasbest galten schon seit längerer Zeit strenge Sicherheitsbestimmungen.

Weiterführende Literatur:
Christopher Booker and Richard North: Scared to Death, From BSE to Global Warming - How Scares Are Costing Us the Earth, Continuum Books, London & New York, 2007; Chapter Thirteen: 'One Fibre Can Kill': The Great Asbestos Scam, pp. 331-409.

Freitag, 9. Juli 2010

Die Wahrheit über Sex

Nach zweitausend Jahren christlicher Sexualfeindschaft ist es endlich an der Zeit, dass unser Blog in dieser Frage Klarheit schafft:

Mittwoch, 7. Juli 2010

Bankenkrise verursacht durch Regierungsversagen

Der folgende Cartoon (by Red Planet Cartoons) zeigt sehr gut, was im Kern die Bankenkrise von 2008 verursacht hat:



Die politische Klasse und die meisten Journalisten in den Massenmedien behaupten, dass die Bankenkrise auf einem Marktversagen beruhe. In Wirklichkeit wurde dieser finanzielle Zusammenbruch aber durch ein Diktat der Politik ausgelöst, die bei der Verfolgung ihrer egalitären Ziele vor keinem Eingriff in die Finanzmärkte zurück schreckte.

Schon lange waren sich alle Parteien einig, dass die Vermögensverteilung zu ungleich sei und die Politiker berechtigt und in der Lage wären, das zu ändern. Insbesonders war unumstritten, dass der Staat jedem Bürger zu einem Eigenheim verhelfen müsse. In Verfolgung dieser Politik wurde 1977 während der Regierungszeit von Päsident Carter der Community Reinvestment Act (CRA) vom Bundesparlament beschlossen, um die Banken zu zwingen, Kredite an die Bezieher niedriger Einkommen zu geben. Bis dahin waren die Kreditgeber sehr zurückhaltend bei der Bewilligung von Krediten an Risikogruppen gewesen, da sie, schon im Interesse der Sparer, die ihnen ihr Geld anvertraut hatten, die ausgeliehenen Mittel auch wieder zurück erhalten wollten.

So viel kapitalistischen Eigennutz konnten die wohlfahrtsstaatlichen Politiker nicht dulden. Der CRA zwingt die Banken, ihre rationale, in der Sprache der Politik "diskriminierende", Kreditvergabe an Bezieher niedriger Einkommen aufzugeben. Um diese politische Vorgabe durchzusetzen, ist die Regulierungsbehörde des Bundes berechtigt, die Geschäftstätigkeit der Banken auf ihre Übereinstimmung mit dem CRA zu überprüfen und Abweichungen davon zu bestrafen, sei es durch die Untersagung neuer Filialen oder von Firmenzusammenschlüssen oder durch erhöhte Steuern.

Während der Regierungszeit von Präsident Clinton wurde der CRA erheblich verschärft und 1999 veranlasste Clinton, dass die halbstaatliche Refinanzierungsbank Federal National Mortgage Association, volkstümlich Fannie Mae genannt, die Anforderungen an die von ihr aufzukaufenden Hypothekarkredite drastisch senken musste. Auch die anderen staatlich beeinflussten Finanzdienstleister, wie vor allem die Federal Home Loan Mortgage Corporation, üblicherweise als Freddie Mac bekannt, mussten sich dieser Politik anschließen.

Von da an konnte jeder Kreditgeber die Risiken von schlechten Krediten missachten, denn er durfte auch die zweifelhaftesten Kredite an Fannie Mae und Freddie Mac weiterverkaufen. Die Folgen sind bekannt: es kam zu einer enormen Ausweitung des Kreditvolumens, die Nachfrage nach Immobilien stieg und mit ihr die Immobilienpreise. Manche Banken gingen sogar dazu über, die Kredite an die Hochrisikogruppen nicht mehr selbst zu vergeben, sondern damit linke Basisgruppen, die sogenannten Community Organizers zu beauftragen, die in einigen Fällen sogar über 100 Millionen Dollar erhielten, um dieses Geld weiter zu verteilen. Diese linken Organisationen, die der Demokratischen Partei nahestehen, verknüpften die Vergabe der Kredite an Bedingungen. Geld bekamen nur diejenigen, die versprachen, bei Wahlen für linke Kandidaten zu stimmen. Es sind viele Fälle bekannt geworden, in denen Kreditnehmer von Einschüchterungen und Bestechungsversuchen durch die Community Organizers berichten.

Für ihre mühevollen Vermittlungsdienste verlangten und bekamen die Verteilerorganisationen Provisionen von den eigentlichen Geldgebern, den Banken. Damit erfüllte der CRA einen seiner Hauptzwecke: die Finanzierung der lokalen Basisorganisationen der linken Bewegung. Das macht verständlich, warum sich vor der Bankenkrise die Linke so für CRA eingesetzt hat. Nach dem Platzen der Immobilienblase machen diese Leute nun die angebliche "Gier der Banker" und ein angebliches "Marktversagen" für die Krise verantwortlich. Nun hat der finanzielle Zusammenbruch gewiss mehrere Gründe, darunter auch die grobe Fahrlässigkeit, mit der Banken außerhalb der USA deren Schrottpapiere aufgekauft haben, aber die Hauptursachen für das Desaster sind die Ideologie des Egalitarismus und der Eingriff der Politiker in den Markt.

Freitag, 25. Juni 2010

Der Ablasshandel mit Emissionszertifikaten

Man kann sich die Vergebung seiner Klimasünden erkaufen, indem man für die Menge an Kohlendioxid, die eine bestimmte von der allwissenden Regierung festgelegte Grenze überschreitet, Zertifikate erwirbt, die eine Reduktion der satanischen Treibhausgase durch Dritte bezeugen. So wird die eigene Sünde durch die wohlgefällige Tat anderer kompensiert und somit die Welt vor einem grausamen Wärmetod bewahrt.

Dieser religiöse Ritus von Buße und Vergebung ist gleichzeitig ein gutes Geschäft. Der Handel mit Karbon-Emissionsrechten ist heute der am schnellsten wachsende Markt der Weltwirtschaft. Seit 2005 sind unter dem Kyoto-Protokoll mehr als 300 Milliarden Dollar für Emissionsrechte ausgegeben worden. Große Banken wie Goldman Sachs, Barclays, und Citibank handeln mit Zertifikaten in London. Es ist eine neue, sehr profitable Industrie entstanden, die sich der Karbon-Emissionsminderung widmet und diese gute Tat zu gutem Geld macht, indem sie ihre Versprechungen zu Waren erklären, die einen Preis haben und verkauft werden können. Wenn es gelingen sollte, in den USA ein Emissionshandelssystem einzuführen, würde dieser Markt auf zwei Billionen Dollar pro Jahr explodieren.

Der Ablasshandel hat die Schaffung völlig neuer Berufe möglich gemacht. Es gibt nun die carbon developers, die meist im Auftrag von großen multinationalen Firmen die Welt bereisen, um Projekte zu finden, deren Karbonreduktionsversprechen man zu Geld machen könnte. Die carbon accountants haben die Aufgabe, die gemachten Versprechungen zu überprüfen und zu dokumentieren. Diese Gutachter nehmen eine Schlüsselstellung im System ein, denn von ihrem Urteil hängt es ab, ob eine Reduktionsversprechung zu Geld gemacht werden kann oder nicht.

Die UNO hat nach dem Clean Development Mechanism (CDM) erstmals das Recht, die Ausgabe von Wertpapieren, nämlich der Karbon-Emissionszertifikate, zu regulieren und zu überwachen. Es ist dies keine einfache Aufgabe, denn Treibhausgase werden nicht nur von Fabriken und Autos abgegeben, sondern sie entstehen an unzähligen Orten in der Natur, von verwesenden Organismen über den Stoffwechsel von Tieren und Pflanzen bis zu aktiven Vulkanen. Die Quellen und Senken des Kohlenstoffkreislaufes sind noch weitgehend unerforscht aber das hindert die Bürokraten nicht, seine globale Verwaltung zu übernehmen.

Von der UNO sind weltweit 26 Unternehmen, die sogenannten Designated Operational Entities (DOEs), auserkoren worden, die Versprechen auf Emissionsreduktion zu prüfen und während der Laufzeit der Projekte zu beglaubigen, dass die versprochene Reduktion tatsächlich stattfindet. Zwei Firmen beherrschen das "carbon-validation business": SGS Group und Det Norske Veritas (DNV). SGS wurde vor mehr als einem Jahrhundert in Frankreich gegründet, um das Gewicht und die Qualität des in Europa gehandelten Getreides zu überprüfen. Nach der Annahme des Kyoto-Protokolls weitete SGS seine Geschäftstätigkeit auf die Messung von CO2-Emissionen aus. Heute hat die Firma mehr als 100 "carbon-validators" in der ganzen Welt. DNV ist ein norwegisches Unternehmen, dessen Kerngeschäft ursprünglich in einer Inspektions- und Gutachtertätigkeit für das Transportgewerbe bestand. Andere große DOEs sind die Buchhaltungsfirma Deloitte Touche Tohmatsu, der Transportversicherer Lloyd’s Register und der deutsche TÜV Süd.

Es gibt circa 2.000 CDM-Maßnahmen weltweit, die sich auf 58 Staaten aufteilen. Bei jedem dieser Projekte, sei es nun ein Wasserkraftwerk in Indien, eine Gruppe von Windkraftanlagen in Marokko, oder ein Methan-Sequestrierungsversuch in Brasilien, soll ein mehrstufiger Prüfungsprozess sicherstellen, dass damit auch wirklich eine Reduzierung der angeblich so schädlichen Treibhausgase erreicht wird. Nachdem sich Investoren auf ein möglichst lukratives Objekt geeinigt haben, heuern sie eine DOE an, um von ihr die mögliche Emissionsminderung einschätzen zu lassen. Die DOE stellt dann einen Bericht zusammen, in dem sie sowohl die gegebene Emissionsmenge als auch die bei der vorgeschlagenen Technologie ihrer Meinung nach mögliche Emissionsminderung schätzt. Dieser Bericht geht an den U.N. Executive Board, der ihn prüft und beurteilt. Bei einer Zustimmung des Boards gilt das Projekt als validated und die entsprechenden Zertifikate können auf dem Markt als eine Art Terminkontrakt platziert werden.

Diese politisch geschaffenen Wertpapiere dürfen gehandelt, aber noch nicht zur Kompensation von tatsächlichen Emissionen benutzt werden. Das kann erst nach Monaten oder sogar Jahren geschehen, nachdem wiederum eine DOE bestätigt hat, dass die versprochene Emissionsreduzierung wirklich stattgefunden hat. Wenn dies erfolgt ist, bezeichnet man die Zertifikate als Certified Emission Reductions (CERs) und sie können nun zur Kompensation von Emissionsgrenzüberschreitungen eingesetzt werden. Sowohl während der Einschätzungs- als auch der Prüfungsphase ist die DOE, abgesehen vom Investor, die einzige Kontrollinstanz, welche die Projektanlagen aufsucht und in Betrieb sieht.

Ein wesentliches Kriterium bei der Beurteilung eines CDM-Projektes ist die Frage, ob es ohne das Kapital, das durch den Verkauf der Emissionszertifikate eingenommen wird, durchgeführt worden wäre. Um zu zeigen, dass die zu zertifizierende Emissionsreduktion nicht auch ohne den CDM-Mechanismus erfolgen würde, haben die Projektentwickler nachzuweisen, dass die geplante emissionsärmere Technologie in dem betreffenden Wirtschaftszweig nicht allgemein benutzt wird und dass der Wechsel zur neuen Technologie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Darüber hinaus müssen die Projektentwickler beweisen, dass ihr Vorhaben ohne die Einnahmen aus dem Zertifikateverkauf wirtschaftlich nicht realisierbar wäre und dass Dokumente vorliegen, die entsprechende Überlegungen der Investoren belegen.

All das soll durch die DOEs geprüft und bestätigt werden, die damit vor eine nahezu unlösbare Aufgabe gestellt werden, denn viele der geforderten Annahmen sind nicht objektiv nachprüfbar. Wirtschaftlich pervers ist das Eingeständnis der CDM-Konstrukteure, dass sie bewusst nur Projekte fördern, die unter Marktbedingungen unwirtschaftlich wären. Das ist eine planmäßige Vernichtung volkswirtschaftlicher Ressourcen.

In der Praxis befürworten die DOEs viele Projekte, welche die oben genannten Kriterien nicht erfüllen. Es kommt also zu Mitnahmeeffekten, bei denen findige Investoren CDM-Mittel für Projekte kassieren, die sowieso durchgeführt worden wären. Man schätzt, dass bei mindestens 40% der genehmigten Vorhaben dies der Fall ist.

Außerdem sind die angegebenen Emissionsreduktionen meistens übertrieben. Selbst das IPCC der UNO geht davon aus, dass die Fehlerrate bei ihrer Einschätzung in der Zement- und Kunstdüngerindustrie 10%, in der Erdöl-, Erdgas- und Kohlewirtschaft 60%, und in einigen landwirtschaftlichen Bereichen sogar 100% beträgt. Das Government Accountability Office des US-Congress hat auf Grund dieser Erfahrungen festgestellt, dass ein Emissionshandelssystem "may not be a cost-effective model for achieving emission reductions."

In dem hoch spezialisierten neuen Wirtschaftszweig der Prüfung und Beglaubigung von Emissionsreduktionen wissen ungefähr 1.000 Beschäftigte, wie die alles entscheidende Gutachtertätigkeit vor Ort abläuft. Diese kleine Gruppe entscheidet über den Fluss von Millarden an CDM-Geldern und es ist offensichtlich, dass es hierbei Interessenskonflikte gibt. Die Projektentwickler wählen die Gutachter für ihre Vorhaben aus und bezahlen sie für ihre Dienste. Die DOEs stehen untereinander in Wettbewerb um Aufträge der Investoren. Man kann sich ausrechnen, wie gut die Beauftragungschancen einer DOE sind, die Projekte in der Vergangenheit negativ beurteilt hat.

Die Projektentwickler sind meistens nicht kleine lokale Investoren, sondern es handelt sich hierbei um weltweit operierende multinationale Unternehmen, wie z. B. das Finanzhaus JP Morgan Chase, dem mit Eco-Securities der weltgrößte Entwickler gehört; oder die Großbank Goldman Sachs, die einen erheblichen Anteil an Blue Source besitzt, dem größten US-Projektentwickler. Diese Investoren haben nicht nur über die Auftragsvergabe Einfluss auf die DOEs, sondern auch über vielfache personelle und finanzielle Verflechtungen mit den formell unabhängigen Gutachtern.

In diesem undurchschaubaren Interessengewirr versucht die UNO-Bürokratie mehr Macht für sich zu gewinnen. Der U.N. Executive Board hat seit 2005 seine CDM-Belegschaft verfünffacht und behauptet von sich, die Berichte der DOEs genau zu prüfen. In den Jahren 2008 und 2009 waren die beiden größten DOEs, SGS und DNV, für insgesamt 9 Monate wegen entdeckter Unregelmäßigkeiten von der UNO suspendiert worden. Diese beiden Unternehmen begutachten insgesamt zwei Drittel aller Reduktionsprojekte in den Entwicklungsländern.

Es gibt im CDM-Regelwerk keine Möglichkeit Emissionszertifikate, die auf falschen Versprechungen beruhen, zu annullieren. Unter diesen Umständen sind bereits viele Milliarden für Projekte ausgegeben worden, die nicht einmal die Gläubigen der AGW-Religion rechtfertigen können. Aus der Fülle der Beispiele sei hier nur eines genannt.

Kardinal Paul Poupard stand unter einem Bild, das Jesus bei der Heilung eines blinden Mannes zeigt, als er im Blitzlichtgewitter der Fotografen im Vatikan im Sommer 2007 eine goldgerahmte Urkunde in Empfang nahm, die erklärte, dass der päpstliche Herrschaftsbereich nunmehr der erste karbonneutrale souveräne Staat der Welt sei. Der Heilige Stuhl hatte sich Emissionszertifikate von der Firma KlimaFa schenken lassen und der glückliche Kardinal sagte dazu in seiner Stellungnahme: "The Vatican will do its small part in contributing to the elimination of polluting emissions … threatening the survival of this planet."

Doch daraus wurde nichts, denn die von KlimaFa (ungarisch: Klimabäume)vorgesehene Anpflanzung von Bäumen bei dem Dorf Tiszakeszi in der ungarischen Tiefebene fand nie statt, weil die Firma im Dezember 2007 ihre Geschäftstätigkeit einstellte. Sie war vorher wegen eines dubiosen Vorhabens, nämlich dem Ausstreuen von 50 bis 100 Tonnen Eisenstaub im Südpazifik zur Förderung des dortigen Algenwachstums, bereits heftig kritisiert worden. Der Vatikan zeigte sich enttäuscht und einer seiner Sprecher erklärte: "The case is being studied to take legal action in order to defend the Vatican’s reputation." Er scheint nicht begriffen zu haben, wodurch das Ansehen des Vatikans wirklich beschädigt wurde. Sogar die Institution, von der sich Millionen Gläubige moralische Führung erwarten, hat sich einer anderen Religion unterworfen. Es wäre angemessener gewesen, wenn sich Kardinal Poupard bei Entgegennahme der Emissionszertifikate unter ein Bild von Albert Gore gestellt hätte.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Regelwidrige Standortwahl bei Temperaturmessstationen

Zusätzlich zu der Verschlechterung des Klimabeobachtungssystem durch die einseitige Verminderung der Anzahl der Messstationen, die wir hier beschrieben haben, sind auch schwerwiegende Verletzungen der Regeln festzustellen, die bei ihrer Aufstellung zu beachten sind. Diese Regelverstösse bewirken, dass die offiziellen Temperaturdaten systematisch zu hohe Werte zeigen. Nach vorsichtigen Schätzungen ist mindestens die Hälfte des im letzten Jahrhundert berichteten Temperaturanstiegs auf diese politisch hoch willkommenen Messfehler zurückzuführen.

Die World Meteorological Organization (WMO), eine Sonderorganisation der United Nations, hat für die Aufstellung von Temperaturmessgeräten Kriterien aufgestellt, die vorsehen, dass diese Einrichtungen in Behältern zu installieren sind, die sich 1,5 Meter über dem Boden befinden, der flach und von einer kleinwüchsigen Vegetation von höchstens 10 cm Höhe bedeckt sein soll. Die WMO schreibt auch vor, dass die Temperatursensoren mindestens 100 Meter von hohen Bäumen, künstlichen Wärmequellen und wärmereflektierenden Oberflächen, wie Gebäuden oder Asphaltflächen, entfernt sein sollen.

Die meisten Messstationen erfüllen diese Anforderungen nicht. Roger Pielke und seine Mitarbeiter haben dies ausführlich dokumentiert, siehe z. B. ihren viel zitierten Artikel Unresolved issues with the assessment of multidecadal global land surface temperature trends.

Anthony Watts hat mit mehr als 650 Freiwilligen in seinem Projekt Surface Stations bis Oktober 2009 repräsentative 1067 der insgesamt 1221 Stationen des US Historical Climate Network (USHCN) untersucht und dabei festgestellt, dass nur 3% von ihnen alle Kriterien der WMO erfüllten. Er fand Stationen neben Klimaanlagen, asphaltierten Parkplätzen und Gebäuden sowie auf heißen Dächern. Andere Stationen liegen direkt neben Mülldeponien und 68 Messeinrichtungen befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Kläranlagen. Das folgende Bild zeigt an einem Beispiel, welche Verfälschung der Messwerte durch diese Standortwahl bewirkt wird.



Die folgenden drei Bilder zeigen typische Verstöße gegen die Standortregeln der WMO:







Die Mitarbeiter des Surface Stations Projektes haben die 87,4% des US Historical Climate Networks (USHCN), die von ihnen bis zum 25. Oktober 2009 geprüft wurden, nach den Kriterien des Climate Reference Network (CRN) des National Environmental Satellite, Data, and Information Service (NESDIS) der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) bewertet und sind dabei zu folgenden Ergebnissen gekommen:



Die Ergebnisse der Bewertung offenbaren den katastrophalen Zustand des USHCN, von dem behauptet wird, das es eines der besten Klimabeobachtungssysteme der Welt wäre. 8% der Stationen arbeiten mit Messfehlern von mehr als 5° Celsius, und zusätzliche 61% der Stationen haben eine Fehlerrate von mindestens 2° Celsius. Wie ist der schlimme Zustand dieses Netzwerkes, das ein Lieferant von Temperaturmesswerten für das IPCC ist, zu erklären? An Geldmangel kann es nicht liegen, denn die US-Regierung gibt jährlich mehr als 2 Milliarden Dollar für die Klimaforschung aus. Es ist auch nicht möglich, dass technische Inkompetenz der zuständigen Behörden die Ursache sein könnte, denn der Aufbau einer regelgerechten Temperaturmessstation ist technisch trivial. Es bleibt nur noch eine Erklärungsmöglichkeit übrig: politische Absicht, die zur dieser systematischen und koordinierten Vernachlässigung der Messstationen führte.

Die offiziellen Klimawissenschaftler behaupten, dass sie die Messfehler in den Rohdaten durch verschiedene Anpassungsverfahren korrigieren würden. Kritische Klimawissenschaftler haben jedoch festgestellt, dass die angewandten Anpassungsverfahren die Messfehler nicht beseitigen, sondern sie sogar in Richtung einer zusätzlichen Erwärmung verstärken. Nicht erst seit Climategate wissen wir, wie die politischen Aktivisten unter den Klimawissenschaftlern arbeiten: Verfahren werden geheimgehalten, Rohdaten vernichtet und Kritiker mundtot gemacht. Unter diesen Umständen ist zu erwarten, dass die Daten so lange "angepasst" werden, bis sie das politisch gewünschte Ergebnis anzeigen.

Montag, 10. Mai 2010

Vergleich von Sozialismus und Kapitalismus

Auch beim Vergleich der Gesellschaftssysteme sagt ein Bild mehr als tausend Worte:



Das obige Bild wurde am 11. Oktober 2006 auf einer Pressekonferenz des US-Verteidigungsministeriums gezeigt. Es handelt sich um die Aufnahme eines Satelliten des Defense Meteorological Satellite Program (DMSP), das vom Space and Missile Systems Center (SMC) der US-Air Force betrieben wird. Zu einem ähnlichen Bild sagte am 23. Dezember 2002 in einem Gespräch mit der Presse der damalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: "If you look at a picture from the sky of the Korean Peninsula at night, South Korea is filled with lights and energy and vitality and a booming economy; North Korea is dark."

Die beiden koreanischen Staaten veranschaulichen sehr deutlich die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Gesellschaftssysteme. In beiden Staaten lebt das gleiche Volk unter ähnlichen natürlichen Voraussetzungen. Nach 65 Jahren Sozialismus ist heute das Pro-Kopf-Einkommen im kapitalistischen Süden circa zwanzigmal höher als im sozialistischen Norden. Das ist für die Menschen in Nordkorea, die teilweise hungern und von ausländischer Hilfe abhängig sind, eine bittere Erfahrung. Die Grünen hingegen müssen begeistert sein, denn diese Art von Primitivwirtschaft ist ihrer Propaganda nach unbedingt erforderlich, um die Welt vor dem Hitzetod zu retten.